Younow – Fluch oder Segen?

Seit drei Jahren gibt es nun schon den Livestreaming – Dienst „Younow“ und seit den Weihnachtsferien 2014 gewinnt er zunehmende Beliebtheit bei Kindern und Jugendlichen. Ursprünglich war er für dazu gedacht, für Youtuber und für Musiker als Live-streaming-Plattform, um an die Fans besser und direkter heran zu treten, doch jetzt kristallisiert sich younow als beliebter Streamer aus den Kinder- und Jugendzimmern als eine weitere Gefahr im Web heraus. Schon früh am Morgen senden unsere Kinder via Handy-App oder mit der Webcam aus ihren Kinderzimmern. Sie lassen das Web teilhaben an ihrem intimsten Bereich und Leben. Ungeschminkt teilen Sie hier ihre Ideen, Vorlieben und das was sie beschäftigt und machen sich leider auch keine Sorgen darüber, dass diese Clips nicht nur von „netten“ Menschen wohlwollend gesehen werden.

Der Anteil der deutschsprachigen Nutzer ist in den vergangenen Monaten um 250% gewachsen. Offiziell sind die Nutzer junge Menschen zwischen 15 und 25 Jahren.
Warum sind die Jugendlichen so fasziniert von younow? Es ist zum einen die einfache Anwendung per App über jedes Smartphone. Zum anderen ist man gleich „on air“, also live dabei. Diese Unmittelbarkeit ist es, die den Jugendlichen so viel Spaß macht. Videos und Fotos online sind schon nichts Besonderes mehr für die Kinder heute. Interessant wird es jedoch erst wirklich durch den Chat und die Belohnungssysteme. Die Zuschauer können unmittelbar bewerten und den Streamer empfehlen, ja ihm sogar kleine Geschenke zukommen lassen. Dadurch entsteht ein Ranking, in dem sich die Streamer eine Position erarbeiten und sich „beliebt“ machen!
Die Anmeldung bei younow geht spielend leicht über den facebook-Account oder über Google+. Die Einfachheit ist es, die die Kinder fasziniert. Überall wo sie mit ihrem Smartphone sind, können sie einen Livestream starten oder ansehen und damit auch gleich live ihre Wirkung testen. Die Kids wissen oft nicht um die Gefahren denen sie sich aussetzen und gehen sehr freizügig mit ihren Daten um, verraten ihr Alter, ihre Kontaktdaten, ja sogar die Adresse. Problem dabei, der Zuschauer bleibt anonym und somit kann er die preisgegebenen Daten nutzen.

Auch unterschätzen die Jugendlichen die Möglichkeiten des Mobbing und der Beleidigung durch die Chatfunktion des Streams.

Unbewusst machen sich die Jugendlichen strafbar, in dem sie Musik im Hintergrund laufen, was bei dem öffentlichen Gebrauch dann die Abgabe von GEMA Gebühren erfordert oder sie streamen in der Öffentlichkeit und verletzen die Persönlichkeitsrechte von Dritten, die nicht gefragt werden, ob sie mit der Aufnahme einverstanden sind.
Natürlich gibt es hier auch Richtlinien, an die sich die Nutzer halten müssen. Jugendliche dürfen erst ab 13 Jahren den Livestream nutzen und minderjährige dürfen sich auch nicht entblößen. Es gibt Melde und Sperrfunktionen, mit denen dem Missbrauch Einhalt geboten werden soll, aber durch die Aktualität und Echtzeitfunktion ist die Kontrolle so gut wie unmöglich. Und auch das Alter zu kontrollieren gestaltet sich schwierig, weil eine Anmeldung über Google+, Twitter und Facebook möglich ist.

Den Eltern von Jugendlichen ist zu raten, sich selbst mit diesen Themen zu beschäftigen und das Gespräch mit den Kindern zu suchen. Mit Ihnen über die Gefahren, das Erleben, den Spaß und die Probleme zu sprechen. Es ist und bleibt wichtig die Kinder und Jugendlichen dafür zu sensibilisieren, wodurch sie sich in Gefahr bringen, in jeder Situation und eben auch im Netz. Diverse Seiten im Netz informieren Eltern und Jugendliche auch über Alternativen und gegebenenfalls ist es wichtig entsprechende Schutzmaßnahmen zu treffen.

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